Fach­kräf­te­initi­tia­ti­ve: Mass­nah­me 4, Berufs­ab­schluss und Berufs­wech­sel für Erwach­se­ne, auf der Zielgerade

Am 25. Okto­ber hat der Bun­des­rat den Zwei­ten Moni­to­ring­be­richt zur Fach­kräf­te­initia­ti­ve ver­ab­schie­det. Gemäss dem Bun­des­amt für Sta­tis­tik ist der Anteil der Erwach­se­nen in der Wohn­be­völ­ke­rung von 17% (1996) auf 13% (2006) gesun­ken und soll bis 2025 weiter auf 10% zurück gehen. (S. 25)

Seite 45f geht der Bericht auf die «Mass­nah­me 4: Berufs­ab­schluss und Berufs­wech­sel für Erwach­se­ne» ein. Die meis­ten der geplan­ten Mass­nah­men werden danach bis Ende 2017 abge­schlos­sen. Die Kam­pa­gne «Sen­si­bi­li­sie­rung Erwach­se­ne und Betrie­be» soll Ende Jahr starten.

In der Rubrik «Beson­de­re Pro­ble­me» wird aus­ge­führt: «Eine Her­aus­for­de­rung, die im Pro­jekt und mit den betrof­fe­nen Sta­ke­hol­dern (SECO, BSV, EDK) wie­der­holt the­ma­ti­siert, jedoch noch nicht befrie­di­gend gelöst wurde, ist die Finan­zie­rung der indi­rek­ten Kosten (Lebens­er­hal­tungs­kos­ten). Diese fallen an, wenn eine erwach­se­ne Person noch einen Berufs­ab­schluss erwirbt und hier- für ihr Arbeits­pen­sum redu­zie­ren muss.

Basler Pilot­pro­jekt Enter: Ein­spa­run­gen für die Sozi­al­hil­fe ab dem 5. Jahr

Eva­lua­ti­ons­be­rich­te gehö­ren nicht zu meiner Lieb­lings­lek­tü­re. So bequem­te ich mich erst nach einem Gespräch mit Bene­dikt Arnold, Leiter Gap Basel, wenigs­tens das Kapi­tel «Die Kosten von Enter und die vor­aus­sicht­li­chen Ein­spa­run­gen» des Eva­lua­ti­ons­be­richts zum «Pilot­pro­jekt: Enter – vom Bitt­gang zum Bil­dungs­gang» vom Juni 2016 zu studieren.

Es ent­hält Berech­nun­gen zu den «Pro­jekt­kos­ten» die im Rahmen des 2. Durch­laufs der Pilot­pro­jek­tes ent­stan­den sind und Anga­ben zu den pro­gnos­ti­zier­ten Ein­spa­run­gen, die erzielt werden:
Die schlech­te Nach­richt: Die Pro­jekt­kos­ten betra­gen für 14 Teil­neh­men­de 420’000 CHF
Die gute Nach­richt: Es kann erwar­tet werden, dass diese Kosten bereits fünf Jahre nach Beginn der Aus­bil­dung amor­ti­siert sind und dass der Kanton nach acht Jahren bereits rund 217’000 CHF ein­ge­spart hat, wie fol­gen­de Grafik zeigt:

Hier einige Anga­ben aus der Berech­nung dieser Zahlen, ent­nom­men dem oben erwähn­ten Evaluationsbericht:

  • Sozi­al­hil­fe, Berufs­be­ra­tung, Gewer­be­ver­band, CM Enter (Pro­jekt­lei­tung und -durch­füh­rung) und Amt für Aus­bil­dungs­bei­trä­ge wenden für den zwei­ten Durch­lauf des Pro­jekts zusam­men 3188 Stun­den auf, ent­spre­chend 420’000 CHF. (Tabel­le 6 im Bericht)
  • Die 13 TN des Pro­jekts benö­ti­gen für die Bestrei­tung ihres Lebens­un­ter­halts wei­te­re der Aus­bil­dung 1,081 Mio CHF. Davon werden aus Sozi­al­hil­fe und Sti­pen­di­en 787’0000 CHF bestrit­ten. (Tabel­le 7)
  • Dies führt zu Kosten für die ersten fünf Jahr von 1,531 Mio CHF. (Tabel­le 10)
  • Ohne Enter hätten die 13 Per­so­nen in dieser Zeit Kosten von 1,423 Mio CHF ver­ur­sacht, umfas­send Exis­tenz­si­che­rung von 1,22 Mio und Per­so­nal­kos­ten (Sozi­al­hil­fe) von 0, 202 Mio CHF. (Tabel­le 10)
  • Somit Mehr­auf­wand infol­ge Teil­nah­me an Enter von 108’000 CHF. (Tabel­le 10)
  • Im 6. Jahr (nach Ein­tritt aller Absol­ven­ten ins Erwerbs­le­ben) ent­steht ein Net­to­nut­zen von 138’000 CHF (Tabel­le 10)

Gesi­cher­te Zahlen zur Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne ver­füg­bar: 2015 2500 Erstabschlüsse

Am 27. Sep­tem­ber 2017 wurden die beiden Stu­di­en vor­ge­stellt, die das SBFI erstel­len liess um mehr Daten zum Thema zu bekom­men. (Tagung­un­ter­la­gen). Unter ande­rem wurden alle rund 6000 Per­so­nen um Infor­ma­tio­nen gebe­ten, die im Alter von 25 und mehr Jahren begon­nen hatten, sich auf ein EFZ oder ein EBA vor­zu­be­rei­ten und diese Vor­be­rei­tung 2015 abge­schlos­sen hatten. Erst­mals konnte recht genau bestimmt werden, wie viele von ihnen einen Erst­ab­schluss und wie viele einen zwei­ten oder wei­te­ren Abschluss erwor­ben hatten. Die bis­he­ri­gen Schät­zun­gen und Berech­nun­gen schwank­ten zwi­schen 10% und 90% Erstabschlüsse.
Die Studie von Martin Schmid, Sabina Schmid­lin, David Stefan Hischier zeigt nun auf, dass 42% der 6000 Per­so­nen, also rund 2500 zum ersten Mal eine eid­ge­nös­sisch zer­ti­fi­zier­te beruf­li­che Grund­bil­dung abge­schlos­sen haben, vgl. Abbildung

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Ein Kom­men­tar zu wei­te­ren Ergeb­nis­sen der beiden Stu­di­en wird um den 20. Okto­ber im News­let­ter der SGAB erscheinen.

Die PH Zürich führt 2017 wieder sechs Abend­ver­an­stal­tun­gen zur Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne durch.

Seit 2014 führt die PH Zürich jähr­li­ch sechs Abend­ver­an­stal­tun­gen zur Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne durch, die anschlies­send meist zusam­men­ge­fasst und publi­ziert werden. Der vor­lie­gen­de Bei­trag listet die 2017 durch­ge­führ­ten Ver­an­stal­tun­gen auf und nennt Links zu Prä­sen­ta­tio­nen und Zusam­men­fas­sun­gen. Zusa­men­fas­sun­gen der Vor­trä­ge und Doku­men­te aus frü­he­ren Jahren finden Sie unter 2016 2015 2014.

Pro­gram­me der Kan­to­ne Bern und Solothurn

10. Januar 2017

Der Kanton Bern hat ein Kon­zept zur För­de­rung des Berufs­ab­schlus­ses ent­wi­ckelt, das von der Pro­jekt­lei­te­rin Maja Huber vor­stellt wurde.
Prä­sen­ta­ti­on Zusam­men­fas­sung

Das Schwei­zer Fern­se­hen hat mehr­fach über ein Ange­bot aus dem Kanton Solo­thurn berich­tet: die Vor­be­rei­tung von Schicht­ar­bei­tern auf den Abschluss als Pro­duk­ti­ons­me­cha­ni­ker. Weiter ist das Ange­bot des EBZ Olten bekannt. Renato Del­fi­ni, der von Anfang an dabei war, gab eine Über­sicht über die Akti­vi­tät im Kanton Solo­thurn, bei­spiels­wei­se wie es mög­lich war, dass der Kan­tons­rat im Rahmen einer Spar(!)debatte die Gebühr für die Zulas­sung zur Nach­hol­bil­dung nicht erhöht, son­dern gestri­chen hat!
Prä­sen­ta­ti­on Zusam­men­fas­sung

Aus­bil­dungs­chan­cen für Erwach­se­ne in der Arbeitswelt

13. März 2017

Wer eine Berufs­aus­bil­dung nach­ho­len will braucht einen Aus­bil­dungs­platz. Meist sogar zwei: eine Berufs­fach­schu­le und einen Aus­bil­dungs­be­trieb. An diesem Abend ging es um die Frage, welche Unter­neh­men bereit sind, auch Erwach­se­ne in die Aus­bil­dung auf­zu­neh­men. Cäci­lia Märki, Dach­ver­band der Wei­ter­bil­dung SVEB, unter­sucht, welche Betrie­be «Chan­cen­ge­ber» sind, was sie aus­zeich­net und was sie erwarten.
Véro­ni­que Polito, Mit­glie­der der Geschäfts­lei­tung der UNIA, die sich seit Jahren mit Berufs­bil­dungs­fra­gen befasst, ver­trat an diesem Abend die Arbeit­neh­mer­sei­te. Prä­sen­ta­ti­on C. Märki Prä­sen­ta­ti­on V. Polito  Zusam­men­fas­sung der beiden Vorträge

Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne: Neue Ansät­ze in den Kan­to­nen Zürich und Tessin

18. Mai 2017

Der Kanton Zürich ent­wi­ckelt – mit Unter­stüt­zung des Bundes – sein System zum Erwerb von Abschlüs­sen durch Erwach­se­ne weiter. Chris­ti­na Vögtli, MBA Zürich, berich­tet über erste Ergeb­nis­se des von ihr gelei­te­ten Zür­cher Pro­jekts «Nach- und Höher­qua­li­fi­zie­rung auf der Ebene der beruf­li­chen Grund­bil­dung»  Down­load Präsentation

Was läuft eigent­lich bezüg­lich der Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne im Tessin? Dieser Kanton ent­wi­ckelt immer wieder eigene, über­ra­schen­de Ansät­ze, wenn es um die Wei­ter­ent­wick­lung des Bil­dungs­sys­tems geht. Furio Bed­narz, Divi­sio­ne della for­ma­zio­ne pro­fes­sio­na­le, berich­tet (in Deutsch) vom Tes­si­ner Pro­jekt «Zweite Chance» und ande­ren ein­schlä­gi­gen Mass­nah­men.  Down­load Präsentation

Zusam­men­fas­sung der beiden Vorträge

Wirk­sa­me Beglei­tung der Ler­nen­den - Vor­stel­lun­gen und Erfahrungen

29. Juni 2017

Emil Wett­stein, Berufs­bil­dungs­pro­jek­te, berich­tet ein­gangs über die für «Modell 2025» ange­stell­ten Über­le­gun­gen zur Beglei­tung von Erwach­se­nen wäh­rend der Pla­nung und der ergän­zen­den Aus­bil­dung von Erwach­se­nen auf dem Weg zum Berufsabschluss.
Prä­sen­ta­ti­on Refe­rat (ergänzt) 
Anschlies­send werden zwei Begleit­an­ge­bo­te vorgestellt:

  • Fabi­en­ne Hostett­ler, Rea­li­sAc­tion, beglei­tet im Rahmen von frac Biel-Bienne seit Jahren Erwach­se­ne bei der Rea­li­sie­rung ihrer Berufs­aus­bil­dung, u.a. auch für die Stan­ley Thomas John­son Stif­tung Bern (vgl. Vor­trag vom 12. Sep­tem­ber). Prä­sen­ta­ti­on Zusam­men­fas­sung
  • Mathi­as Zim­mer­mann stellt die «Abend­ein­hei­ten» vor, der Beglei­tung von Erwach­se­nen im Rahmen des Pro­gramms proBIP DUAL in Schlie­ren. Prä­sen­ta­ti­on Zusam­men­fas­sung
Ent­wick­lung und neue Ansät­ze in der Berufs­bil­dung für Erwachsene

12. Sep­tem­ber 2017, 17:15 – 19.00 (Ort, Zeit, Anmel­dung)

«2. Chance für eine 1. Aus­bil­dung», ein Pilot­pro­jekt der Stan­ley Thomas John­son Stif­tung Bern. Guido Münzel, Geschäfts­lei­ter der Stif­tung, berich­tet über die ersten 18 Monate nach Start des Pro­jekts und zieht eine erste Zwischenbilanz.
Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne aus der Sicht der Berufs­bil­dungs­äm­ter. Beat Schuler, Leiter des Amts für Berufs­bil­dung Zug und Prä­si­dent der Koor­di­na­ti­ons­grup­pe Berufs­ab­schluss für Erwach­se­ne der Schwei­ze­ri­schen Berufs­bil­dungs­äm­ter-Kon­fe­renz berich­tet aus seinem Kanton und aus der Arbeit der Koor­di­na­ti­ons­grup­pe.

For­schung zum Berufs­ab­schluss für Erwachsene

30. Novem­ber 2017, 17:15 – 19.00 (Ort, Zeit, Anmel­dung)

Das SBFI hat 2016 zwei Unter­su­chun­gen in Auf­trag gegeben:

  • Bedürf­nis­se der Arbeitgebenden
  • Befra­gung der Absol­ven­tin­nen und Absolventen

Die Pro­jekt­lei­te­rin, Irene Kriesi, EHB, wird berich­ten, welche Erkennt­nis­se zu den Bedürf­nis­sen der Arbeit­ge­be­rin­nen und Arbeit­ge­ber gefun­den wurden. Sabina Schmid­lin, across•concept GmbH, und Martin Schmid, PH FHNW, werden die Resul­ta­te der Befra­gung von Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten darstellen.

Aargau: ask! lan­ciert ein Pilot­pro­jekt um mit Bera­tung die Rea­li­sie­rung einer Nach­hol­bil­dung zu erleichtern.

Der Teufel liegt im Detail!
Diese ‹Weis­heit› gilt auch für den Erwerb eines Berufs­ab­schlus­ses durch Erwachsene.
Die über­all publi­zier­te Tabel­le mit den vier, fünf oder sieben Wegen zum Berufs­ab­schluss scheint ein­fach und klar. Die Rea­li­sie­rung ver­langt aber ver­schie­dens­te Ent­schei­de, wie eine Check­list der SBBK für einen der Wege exem­pla­risch zeigt. ask!, die im Auf­trag des Kan­tons Aargau arbei­ten­den Bera­tungs­diens­te für Aus­bil­dung und Beruf, wollen mit dem Ein­satz von Frei­wil­li­gen als Men­to­ren Inter­es­sier­ten helfen, die Hürden bezüg­lich Berufs­wahl, Aus­bil­dungs­platz­su­che, Finan­zie­rung usw. zu bewäl­ti­gen, die nur schon bei der Auf­nah­me einer Aus­bil­dung auf­tre­ten. Dazu haben sie das Pilot­pro­jekt «Nach­hol­bil­dung für alle» lan­ciert, gelei­tet von Rafael Furrer. Eine Web­site sowie Merk­blät­ter für Insti­tu­tio­nen und Aus­bil­dungs­wil­li­ge geben einen ersten Eindruck.

Das SBFI hat zwei Stu­di­en zum Berufs­ab­schluss für Erwach­se­ne in Auf­trag gege­ben. Nun liegen erste Ergeb­nis­se vor.

Das SBFI hat 2016 zwei Stu­di­en zum Berufs­ab­schluss für Erwach­se­ne in Auf­trag gege­ben, betreffend
• die Bedürf­nis­se der Arbeit­ge­ben­den und
• die Bedürf­nis­se und Erfah­run­gen von erwach­se­nen Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten einer beruf­li­chen Grundbildung.

Nun liegen Zwi­schen­be­rich­te von beiden Stu­di­en vor, zusam­men­ge­fasst in den SBFI-News 1/​2017.

Bedürf­nis­se der Arbeits­ge­ben­den (Zwi­schen­be­richt)

Ein Team der EHB hat Sekun­där­aus­wer­tun­gen von Sta­tis­ti­ken des BfS vor­ge­nom­men und dabei u.a. fest­ge­stellt, dass der Anteil Berufs­ab­schlüs­se Erwach­se­ner an allen Berufs­ab­schlüs­sen im glei­chen Beruf gegen 60% errei­chen kann (Gebäudereiniger/​in EFZ, Uhrenarbeiter/​in EBA), wäh­rend er in andern Beru­fen bei 0% liegt (Baupraktiker/​in EBA).

Das Team inter­view­te weiter Ver­tre­tun­gen der Orga­ni­sa­tio­nen der Arbeits­welt von 13 drei- oder vier­jäh­ri­gen Lehren und den 12 ent­spre­chen­den zwei­jäh­ri­gen Aus­bil­dun­gen. Es zeigte sich, dass das Thema bekannt ist aber sich das Inter­es­se an einer Ver­meh­rung der Abschlüs­se von Erwach­se­nen bei den meis­ten OdAs in Gren­zen hält.

Der Schluss­be­richt wird zeigen, wo und wie allen­falls Ansatz­punk­te zur Stei­ge­rung des Inter­es­ses gefun­den werden können. Aus meiner Sicht ver­stärkt sich der Ein­druck, dass die Wirt­schaft die Deckung des Fach­kräf­te­man­gels - sofern ein sol­cher über­haupt exis­tiert - nicht auf diesem Weg sucht. Bei andern Berei­chen der Arbeits­welt, ins­be­son­de­re in ein­zel­nen Spar­ten von Betreu­ung und Pflege, kann es anders aussehen.

Es ist nicht zu ver­ken­nen: Impul­se für eine signi­fi­kan­te Stei­ge­rung der Zahl der Abschlüs­se von Erwach­se­nen müssen anders­wo gesucht werden.

Bedürf­nis­se und Erfah­run­gen von erwach­se­nen Absol­ven­t/​innen (Zwi­schen­be­richt)

Ein Team von across-con­cept und der FHNW unter­sucht die Bedürf­nis­se und Erfah­run­gen von Erwach­se­nen im Zusam­men­hang mit einem beruf­li­chen Erst- oder Zweitabschluss.

Der Zwi­schen­be­richt ent­hält eben­falls Sekun­där­ana­ly­sen von Sta­tis­ti­ken des BfS sowie eine aus­führ­li­che Zusam­men­fas­sung von Gesprä­chen mit 11 Per­so­nen, die sich für eine beruf­li­che Grund­bil­dung inter­es­siert, dann aber doch keine begon­nen haben. Die Gesprä­che zeigen einmal mehr, dass sowohl die Moti­va­ti­on als auch die Hin­der­nis­se viel­fäl­tig sind.

Der Genfer Rech­nungs­hof beschäf­tigt sich mit «Qua­li­fi­ca­ti­on+», dem ein­drück­li­chen Genfer Ange­bot für die Nachholbildung.

Gemäss den Bestim­mun­gen im Wei­ter­bil­dungs­ge­setz des Kan­tons Genf hat der Rech­nungs­hof (Cour des comp­tes) im Auf­trag des Regie­rungs­ra­tes alle vier Jahre die Ver­ga­be von Bil­dungs­gut­schei­nen zu eva­lu­ie­ren. 2014 wurde er beauf­tragt, u.a. das Ver­hält­nis zwi­schen den Bil­dungs­gut­schei­nen und ande­ren Mass­nah­men zur Qua­li­fi­zie­rung von Erwach­se­nen zu prüfen.

Im Rahmen einer umfas­sen­den Eva­lua­ti­on ent­stand eine aus­führ­li­che Dar­stel­lung und eine Ana­ly­se des Ange­bots des Berufs­bil­dungs- und Berufs­be­ra­tungs­am­tes des Kan­tons Genf (OFPC), mit dem Erwach­se­ne beim Erwerb eines Abschlus­ses der Sekun­dar­stu­fe II geför­dert werden.

Von dem unter der Bezeich­nung «Qua­li­fi­ca­ti­on+» bekann­te Ange­bot haben 2014 über 1000 Per­so­nen Gebrauch gemacht. 2015 haben 397 Per­so­nen ab 25 Jahren via Vali­die­rung oder direk­tem Zugang zum Qua­li­fi­ka­ti­ons­ver­fah­ren einen Abschluss erwor­ben, mehr als in jedem andern Kanton der Schweiz. (Sta­tis­tik)

Qua­li­fi­ca­ti­on+ wurde im Buch «Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne in der Schweiz», Kapi­tel 7.6, kurz beschrie­ben, und unsere Dar­stel­lung hier gibt einen Über­blick. Der 150 Seiten umfas­sen­de Eva­lua­ti­ons­be­richt des Cour des comp­tes geht ins Details und stellt damit eine wich­ti­ge Ergän­zung dar, wenn man dieses in der Schweiz ein­ma­li­ge Qua­li­fi­zie­rungs­an­ge­bot näher kennen lernen will.

Im Kanton Basel-Stadt wurde das Pilot­pro­jekt «Enter – vom Bitt­gang zum Bil­dungs­gang» evaluiert.

«Enter» rich­tet sich an Sozi­al­hil­fe­be­zie­hen­de im Alter von 25 bis 40 Jahren, die über keinen in der Schweiz aner­kann­ten Berufs­bil­dungs­ab­schluss ver­fü­gen. Es ver­folgt das Ziel, ihnen zu einer Berufs­aus­bil­dung zu ver­hel­fen und sie auf diese Weise zurück in den Arbeits­markt und in die finan­zi­el­le Unab­hän­gig­keit zu führen.

Der erste Durch­gang von «Enter» star­te­te im Herbst 2013 (Aus­bil­dungs­be­ginn 2014). Im Rahmen der Pilot­pha­se finden drei Durch­gän­ge statt, der letzte star­te­te im Herbst 2015 (Aus­bil­dungs­be­ginn 2016). Die Eva­lua­ti­on von «Enter» kon­zen­triert sich auf die ersten beiden Durch­gän­ge. Sie zeigt u.a. auf, dass von der ersten zur zwei­ten Durch­füh­rung grosse Fort­schrit­te erzielt wurden. Die Zahl die Sozi­al­hil­fe­be­zie­hen­den, die in der Lage sind, im Rahmen eines sol­chen Pro­gramms noch einen Berufs­ab­schluss zu erwer­ben, hält sich aller­dings in Gren­zen. In vielen Fällen gibt es Hin­der­nis­se sei­tens des Poten­ti­als der Inter­es­sier­ten, sei­tens ihrer Gesund­heit, ihrer Situa­ti­on usw. Ent­spre­chend ist in der Vor­be­rei­tung der Aus­bil­dung, ins­be­son­de­re auch bei der Suche nach Aus­bil­dungs­plät­zen, mit gros­sen Aus­fäl­len zu rech­nen. Immer­hin - soweit im Moment abge­schätzt werden kann - ist bei den rund 30 Teil­neh­men­den der ersten zwei Durch­gän­ge mit posi­ti­vem Aus­gang zu rech­nen, auch was die Kosten-Nutzen-Rech­nung für die Behör­de betrifft.

Fach­kräf­te­initia­ti­ve: Bund (seco) leis­tet finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für Projekte

Der Bund för­dert neu finan­zi­ell Pro­jek­te, die einen Bei­trag zur Erhö­hung des inlän­di­schen Fach­kräf­te­po­ten­zi­als leis­ten. Die För­der­mit­tel belau­fen sich auf jähr­lich 400.000 Fran­ken und sind bis Ende 2018 befris­tet. Das Geld stammt aus dem Budget der Fach­kräf­te­initia­ti­ve (FKI). (Medi­en­mit­tei­lung)

Die Aus­wahl werde vom Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft SECO nach klaren Kri­te­ri­en getrof­fen. Inter­es­sier­te können bis zum 01. August 2016 mit­tels Ein­rei­chung des bereit­ge­stell­ten Gesuch­for­mu­lars am Aus­wahl­ver­fah­ren teilnehmen.

Wie weit sich diese För­de­rung von den För­der­schwer­punk­ten des SBFI unter­schei­den wird, ist der Medi­en­mit­tei­lung und der Web­site nicht zu entnehmen.

Das SBFI gibt eine Über­sicht über seine Anstren­gun­gen im Bereich der Berufs­aus­bil­dung für Erwachsene

Bund, Kan­to­ne und die Sozi­al­part­ner haben im Rahmen der Fach­kräf­te­initia­ti­ve FKI gemein­sam die Web­sei­te «Fach­kräf­te Schweiz» lan­ciert. Dort wird unter ande­rem ein Über­blick über die Mass­nah­men des Bundes zu «Berufs­ab­schluss und Berufs­wech­sel für Erwach­se­ne»seit Erschei­nen des 2014 publi­zier­ten Berichts zur The­ma­tik gege­ben. Danach laufen

Vier Teil­pro­jek­te:

  • Schaf­fung poli­ti­scher Grund­la­gen für die För­de­rung des Berufs­ab­schlus­ses für Erwachsene
  • Anpas­sun­gen des bestehen­den Leit­fa­dens für die Vali­die­rung von Bil­dungs­leis­tun­gen, neuer Leit­fa­den mit dem Arbeits­ti­tel «Erwach­se­nen­ge­rech­tes Aus­bil­den und Prüfen»
  • Prü­fung des Zugangs zu Infor­ma­tio­nen für Ziel­grup­pen, Bera­ten­de und Betrie­be und Sensibilisierungsbedarf
  • Fragen der Finan­zie­rung, Beglei­tung und Koordination

Zwei Stu­di­en:

  • Bedürf­nis­se der Arbeit­ge­ben­den (Flyer)
  • Bedürf­nis­se und Erfah­run­gen von erwach­se­nen Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten einer beruf­li­chen Grundbildung

Buch «Berufs­ab­schluss für Erwach­se­ne in der Schweiz» erschie­nen, Ein­la­dung zur Vernissage

Der hep-verlag lädt auf den 30. Juni 2016 zur Ver­nis­sa­ge ein, vgl. Flyer. Gäste sind willkommen!

Die Ver­an­stal­tung findet im Anschluss an den um 17.15 begin­nen­den Vor­trag «Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne: Initia­ti­ven auf Bun­des­ebe­ne» statt, der eben­falls öffent­lich ist und eine Über­sicht über den Stand der Arbei­ten im SBFI und in ande­ren Bun­des­äm­tern geben wird. (Anmel­dung an Markus.maurer@phzh.ch )

D: Aner­ken­nung von infor­mell und non-formal erwor­be­nen Kom­pe­ten­zen breit gewünscht.

Das deut­sche Bun­des­in­sti­tut für Berufs­bil­dung (BIBB) hat im Rahmen des «Exper­ten­mo­ni­tors Beruf­li­che Bil­dung» eine Studie zur Aner­ken­nung infor­mell und non-for­ma­len Ler­nens erstel­len lassen. Dem­nach wün­schen sich drei von vier Berufs­bil­dungs­fach­leu­ten eine stär­ke­re Wür­di­gung indi­vi­du­el­ler Lern­er­geb­nis­se, die außer­halb von Schule, Aus­bil­dung oder Hoch­schu­le erwor­ben werden. 70 Pro­zent der gut 300 befrag­ten Exper­ten aus Betrie­ben und Kam­mern, Arbeit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen, For­schung und Wei­ter­bil­dung spre­chen sich für ein deutsch­land­weit ein­heit­li­ches Aner­ken­nungs­sys­tem aus. 

Aller­dings geht es lang­sam vor­wärts: Der Rat der Euro­päi­schen Union hatte im Dezem­ber 2012 die Mit­glied­staa­ten auf­ge­for­dert, bis 2018 natio­na­le Rege­lun­gen für eine Aner­ken­nung infor­mel­len und non-for­ma­len Ler­nens zu ent­wi­ckeln. Dass dies in Deutsch­land pünkt­lich rea­li­siert wird, bezwei­feln aller­dings über 70 Pro­zent der vom BIBB befrag­ten Fachleute.

Quelle: N24

Der Bericht über arbeits­markt­li­che Mass­nah­men im Bereich der Nach­hol­bil­dung ist zugänglich.

Hier kann er her­un­ter­ge­la­den werden.

Frank­reich: Das Ver­fah­ren zur Aner­ken­nung infor­mell erwor­be­ner Qua­li­fi­ka­tio­nen wird überprüft.

Vor 14 Jahren wurde in Frank­reich die «vali­da­ti­on des acquis de l’expérience» (VAE) als Instru­ment lan­ciert, die im Laufe des Arbeits­le­bens erwor­be­nen Erfah­run­gen durch Aus­stel­lung von aner­kann­ten Aus­wei­sen einen Wert zu geben. (Loi de moder­ni­sa­ti­on socia­le du 17 jan­vier 2002) Die Vor­stel­lung war, das jähr­lich 60’000 Per­so­nen das Ver­fah­ren durch­lau­fen und auf diese Weise aner­kann­te Abschlüs­se erwer­ben soll­ten. Es waren aber ledig­lich 16’000 pro Jahr. Die VAE sei zwar aner­kannt aber zu kom­pli­ziert in der Durchführung.
Am 16. Dezem­ber 2015 hat Pre­mier­mi­nis­ter Manuel Valls eine Eva­lua­ti­on des Ver­fah­rens ange­ord­net: L’objectif de ces éva­lua­ti­ons est de réin­ter­ro­ger les poli­ti­ques publi­ques, leurs résul­tats, leur uti­lité et leur adéqua­ti­on avec les atten­tes des béné­fi­ci­ai­res. Sie steht unter der dop­pel­ten Lei­tung der Minis­te­ri­en für Bil­dung und Arbeit und soll innert fünf Mona­ten zu kon­kre­ten Mass­nah­men führen. Eine Auf­zäh­lung der Insti­tu­tio­nen, die ein­be­zo­gen werden, macht deut­lich, wie breit und kom­plex die insti­tu­tio­nel­le Ver­an­ke­rung des Ver­fah­rens ist.

Befra­gung von Absol­ven­ten, Teil­neh­me­rin­nen und Inter­es­sen­ten ausgeschrieben

Das SBFI hat das Pflich­ten­heft zu einer Studie mit dem (unvoll­stän­di­gen) Titel „Berufs­ab­schluss für Erwach­se­ne: Befra­gung von Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten“ publi­ziert. Offer­ten konn­ten bis 17. Febru­ar 2016 ein­ge­reicht werden.
Die Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne ist zum «Pro­jekt­för­der­schwer­punkt» erklärt worden. Das SBFI för­dert Pro­jek­te von Kan­to­nen, Orga­ni­sa­tio­nen der Arbeits­welt und Drit­ten, welche zum Ziel haben, die fol­gen­den The­men­be­rei­che (weiter) zu entwickeln:
- Erwach­se­nen­ge­rech­tes Aus­bil­den und Prüfen
- Infor­ma­ti­on und Sensibilisierung
- Bera­tung, Beglei­tung und Koordination

Sin­ken­de Sozi­al­hil­fe­quo­te dank Berufs­bil­dung für Erwachsene

Dieser Tage ist die Schwei­ze­ri­sche Sozi­al­hil­fe­sta­tis­tik 2014 erschie­nen. In elf Kan­to­nen blieb der Anteil der Sozialhilfebezüger/​innen gegen­über den Vor­jah­ren unver­än­dert; in elf Kan­to­nen nahm er leicht zu; in vier aber ab, dar­un­ter im Kanton Waadt. Regie­rungs­rat Pierre-Yves Mail­lard, Vor­ste­her des Sozi­al­de­par­te­ments, zeigt sich im Inter­view von Radio Suisse Roman­de über­zeugt, dass dies u.a. mit ver­stärk­ter beruf­li­cher Inte­gra­ti­on von Erwach­se­nen zu tun hat, vgl. hier.

For­schung zur Nach­hol­bil­dung im Rahmen des Natio­na­len Pro­gramms gegen Armut

Im Rahmen des Natio­na­len Pro­gramms gegen Armut för­dert das Bun­des­amt für Sozi­al­ver­si­che­run­gen BSV Pilot- und Modell­pro­jek­te, die «geeig­net sind, in den The­men­schwer­punk­ten «Chan­cen­gleich­heit und Bil­dungs­chan­cen von sozial benach­tei­lig­ten und/​oder bil­dungs­fer­nen Kin­dern, Jugend­li­chen und Erwach­se­nen» Impul­se zur Wei­ter­ent­wick­lung der Armut­s­prä­ven­ti­on zu geben.»

Von den in der ersten Ein­ga­be­tran­che aus­ge­wähl­ten Pro­jek­ten betref­fen zwei die «Nach­hol­bil­dung»:

Enquête suisse sur les par­ti­ci­pants aux cours «Lire et Ecrire»
Eine Befra­gung von erwach­se­nen Teil­neh­men­den, die beim Verein «Lesen und Schrei­ben» Unter­richt genos­sen haben. Träger: Ver­ei­ne «Lesen und Schreiben»

Nach­hol­bil­dung für alle
Haupt­ziel: Per­so­nen ohne berufs­qua­li­fi­zie­ren­den, nach­ob­li­ga­to­ri­schen Abschluss darin zu unter­stüt­zen, einen sol­chen zu erwer­ben. Träger: ask! Bera­tungs­diens­te für Aus­bil­dung und Beruf Aargau

Inzwi­schen läuft die Aus­wahl für die zweite Tran­che, Stich­tag für die dritte war der 29. Febru­ar 2016.
Am 22. Novem­ber 2016 fand die erste «Natio­na­le Kon­fe­renz gegen Armut» statt, an der eine Zwi­schen­bi­lanz über das Pro­gramm sowie die Prä­ven­ti­on und Bekämp­fung von Armut in der Schweiz gezo­gen wird.

Begrif­fe für Formen der beruf­li­chen Grund­bil­dung für Erwachsene

Nach­qua­li­fi­zie­rung? Nach­hol­bil­dung? Berufs­wech­sel & Berufs­ab­schluss für Erwach­se­ne? Abschluss­prü­fung ohne Berufs­leh­re? Vali­die­rung von Bil­dungs­leis­tun­gen? Lehr­ab­schluss nach Art. 41 BBG? Vali­die­rungs­ver­fah­ren nach Art. 31? Ver­kürz­te Grund­bil­dung? Ver­kürz­te Berufslehre? …

Ich habe mich im Netz umge­se­hen. Hier finden Sie eine Tabel­le der Begrif­fe, auf die ich gestos­sen bin (leider vor­erst nur die deutsch­spra­chi­gen). Und hier eine Excel-Tabel­le mit dem glei­chen Inhalt, ver­bun­den mit der Bitte, mir eine kor­ri­gier­te und/​oder ergänz­te Aus­ga­be davon zurück zu senden, wenn Sie neue oder geän­der­te Bezeich­nun­gen finden!

Emil Wett­stein

«Zweite Chance»: In eige­ner Sache

Die vor­lie­gen­de Web­site hat eine neue Page erhal­ten, die eine Über­sicht über eigene Stu­di­en ent­hält. Sie umfasst zur­zeit 38 Einträge.

Helena Neu­haus, Emil Wettstein

Zürich: 60% der Per­so­nen in der Sozi­al­hil­fe ohne Abschluss

Gemäss Sozi­al­be­richt des Kan­tons Zürich für 2014 haben 60% der Per­so­nen in der Sozi­al­hil­fe im erwerbs­fä­hi­gen Alter keine abge­schlos­se­ne Berufs­aus­bil­dung (9229 Per­so­nen zw. 15 und 65), dies bei einem Anteil von 20% ohne Aus­bil­dung bei der Gesamt­be­völ­ke­rung (Bericht, S. 8, 125). «Das Armuts­ri­si­ko hängt stark vom Bil­dungs­ni­veau ab: Mit stei­gen­dem Bil­dungs­ni­veau sinkt das Risiko, unter die Armuts­gren­ze zu fallen oder Leis­tun­gen der Sozi­al­hil­fe bezie­hen zu müssen. Erwerbs­tä­ti­ge ohne Berufs­aus­bil­dung arbei­ten häufig in Tief­lohn­bran­chen und in Teil­zeit­an­stel­lun­gen. Sie sind von wirt­schaft­li­chen Ein­brü­chen beson­ders rasch und dau­er­haft betrof­fen.» (Bericht, S. 52).