Ent­ste­hung und Ent­wick­lung des Vali­die­rungs­ver­fah­rens im 20. Jahrhundert

Am 29. Novem­ber 2011 führte die Con­fé­rence roman­de de la for­ma­ti­on con­ti­nue eine Tagung zum Thema «Vali­da­ti­on des acquis» durch. Unter ande­rem sprach dort Chris­ti­an Bonvin, Office d’orientation sco­la­i­re et pro­fes­si­onnel­le du Valais romand, über die Ent­wick­lung der Vali­die­rung. Er zeigte auf, wie sich der Gedan­ke der Vali­die­rung von Kom­pe­ten­zen im letz­ten Jahr­hun­dert in Kanada, den USA und Frank­reich ent­wi­ckelt hat - mit dem ersten Aus­läu­fer in die Schweiz 1985 in der Form der in Genf rea­li­sier­ten «bilans de com­pé­ten­ces et l’accès à l’enseignement supé­ri­eur». Wie dann in den 90-er Jahren die Arbeit auch in der Schweiz auf­ge­nom­men wurde, nicht zuletzt mit der Rea­li­sie­rung der «recon­nais­sance insti­tu­ti­on­nel­le» (RI) 1997 im Kanton Wallis, basie­rend auf der Zusam­men­ar­beit von Berufs­be­ra­tung und Arbeitsmarktbehörde.

Der Leit­fa­den Vali­die­rung wird in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2017 noch­mals überarbeitet.

Ein Schrei­ben des Staats­se­kre­ta­ria­tes für Bil­dung, For­schung und Inno­va­ti­on SBFI vom 14. Juni 2017 gibt einen Über­blick über den Stand der Arbei­ten an den beiden «Leit­fä­den», die im Rahmen des Pro­jekts «Berufs­ab­schluss und Berufs­wech­sel für Erwach­se­ne» beim ASBFI in Arbeit sind.

Der Kanton Jura berich­tet über die ersten 100 Abschlüs­se via Validierung.

Der Kanton Jura führt seit 2013 ein Pro­gramm zur För­de­rung der Berufs­ab­schlüs­se für Erwach­se­ne. Seit­her haben 86 Frauen und 14 Männer einen Abschluss via Vali­die­rung erwor­ben. Für die Erstel­lung des Dos­siers haben sie 200 bis 400 Stun­den auf­ge­wen­det. Das Ver­fah­ren nimmt im Durch­schnitt 1,5 Jahre in Anspruch.

Unter­neh­men, die ihre Mit­ar­bei­ten­den zur Teil­nah­me an einem Vali­die­rungs­ver­fah­ren ermu­ti­gen, erhal­ten aus dem kan­to­na­len Berufs­bil­dungs­fond eine Entschädigung.

Quelle: Medi­en­mit­tei­lung

Es tut sich was: Hand­buch Beruf­li­che Grund­bil­dung für Erwach­se­ne, Vali­die­rung Medizinische/​r Praxisassistent/​in EFZ, Plakatwerbung

Es scheint, dass 2017 Eini­ges in Gang kommt:

  • Das SBFI unter­brei­tet ein «Hand­buch Beruf­li­che Grund­bil­dung für Erwach­se­ne» zur Stel­lung­nah­me (Down­load, Frist bis 15. Mai 2017).
  • Der Kanton Zürich bietet für Inter­es­sier­te aus der ganzen Deutsch­schweiz ein Vali­die­rungs­ver­fah­ren für den Erwerb des Abschlus­ses «Medizinische/​r Praxisassistent/​in EFZ» an. Am 16. März findet/​fand der erste «Obli­ga­to­ri­sche Infor­ma­ti­ons­an­lass» für Inter­es­sier­te statt. (Mehr dazu beim biz Oer­li­kon).
  • Das Lauf­bahn­zen­trum der Stadt Zürich wirbt mit Pla­ka­ten im Welt­for­mat für eine kos­ten­lo­se Beratung.

Hoffen wir, dass sich auch finan­zi­ell eini­ges tut: Wer über die nöti­gen Qua­li­fi­ka­tio­nen ver­fügt kann sich diese via Vali­die­rung oder direk­tem Zugang zur Abschluss­prü­fung mit beschei­de­nen Kosten aner­ken­nen lassen. Wer aber einen gros­sen Teil der erfor­der­li­chen Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten zuerst erwer­ben muss, ist auch als Erwach­se­ner meist gezwun­gen eine Berufs­leh­re zu absol­vie­ren. Zwar wird der Lehr­lings­lohn oft etwas ange­ho­ben. Aber es ent­steht trotz­dem ein fünf­stel­li­ges Loch bei der Finan­zie­rung des Lebens­un­ter­halts. Glück­lich, wer dieses Loch via Sozi­al­hil­fe oder Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung schlies­sen kann. Viele Inter­es­sier­te schei­tern heute aber an diesem Pro­blem, vor allem wenn sie eine Fami­lie zu ernäh­ren haben!

Vali­die­rungs­ver­fah­ren in der beruf­li­chen Grund­bil­dung: Leit­fa­den in der Anhörung

Der Leit­fa­den «Vali­die­rung von Bil­dungs­leis­tun­gen» in der beruf­li­chen Grund­bil­dung wurde im Rahmen des Pro­jek­tes Berufs­ab­schluss und Berufs­wech­sel für Erwach­se­ne des SBFI über­ar­bei­tet. Am 21. Dezem­ber 2016 gab das Staats­se­kre­ta­ri­at die über­ar­bei­te­te Fas­sung in die Anhö­rung. Stel­lung­nah­men sind bis 16. März 2017 einzureichen.
Die Unter­la­gen können von www​.sbfi​.admin​.ch/​v​e​r​n​e​h​m​l​a​s​s​ung her­un­ter­ge­la­den werden. Der neue Leit­fa­den soll auf 1.1. 2018 in Kraft gesetzt werden.

In der Ein­lei­tung des Leit­fa­dens wird die Revi­si­on wie folgt umschrie­ben: «Die vor­lie­gen­de Über­ar­bei­tung des Leit­fa­dens zur Vali­die­rung von Bil­dungs­leis­tun­gen in der beruf­li­chen Grund­bil­dung prä­zi­siert ins­be­son­de­re die recht­li­che Grund­la­ge, redu­ziert die Anzahl der Zusatz­do­ku­men­te und führt Rege­lun­gen für andere Qua­li­fi­ka­ti­ons­ver­fah­ren sowie ent­spre­chen­de Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen ein. Für die Umset­zung der Vali­die­rung von Bil­dungs­leis­tun­gen in den Kan­to­nen erge­ben sich im Ver­gleich zum Leit­fa­den vom Sep­tem­ber 2010 nur gering­fü­gi­ge Änderungen.»

Der Aufbau der revi­dier­ten Fas­sung stimmt mit der Aus­ga­be 2010 über­ein, so dass ein Ver­gleich gut mög­lich ist. Er zeigt, dass ver­schie­de­ne Prä­zi­sie­run­gen aus den bis­he­ri­gen Zusatz­do­ku­men­ten in den Leit­fa­den über­nom­men wurden. Wei­ter­hin besteht das Vali­die­rungs­ver­fah­ren aus fünf Phasen, von denen die vierte als «Vali­die­rung» bezeich­net wird. Als Schwer­punkt wird Phase 2 «Bilan­zie­rung» bezeich­net, wobei her­vor­ge­ho­ben wird, dass die Bilan­zie­rung auch wert­voll ist, wenn kein Berufs­ab­schluss ange­strebt wird.

Der Leit­fa­den beschäf­tigt sich aus­schliess­lich mit der Aner­ken­nung vor­han­den Qua­li­fi­ka­ti­on. Die Ver­mitt­lung von Qua­li­fi­ka­tio­nen («ergän­zen­de Bil­dung») wird nur am Rande gestreift. Die Beglei­tung, deren Bedeu­tung ja immer mehr erkannt wird, beschränkt sich auf Unter­stüt­zung bei der Erstel­lung der Validierungsdossiers.

Die Arbei­ten am zwei­ten Leit­fa­den, Arbeits­ti­tel «Erwach­se­nen­ge­rech­tes Aus­bil­den und Prüfen», sind eben­falls weit fort­ge­schrit­ten; er soll dem­nächst in die Anhö­rung gehen.

Inter­pel­la­ti­on (NR): Zugang zur Arbeit für Migrant/​innen durch Vali­die­rung fördern

NR Jac­ques-André Maire reich­te am 15. März 2016 eine Inter­pel­la­ti­on mit dem Titel «Favo­ri­ser l’accès au tra­vail pour les per­son­nes au béné­fice du statut de réfu­gié et d’une admis­si­on pro­vi­so­i­re par la vali­da­ti­on des acquis» ein. (16.3091) Er fragt darin den BR, ob er im Vali­die­rungs­ver­fah­ren auch ein beson­ders gutes Instru­ment sähe um die Inte­gra­ti­on von vor­läu­fig Auf­ge­nom­men und Flücht­lin­gen in den Arbeits­markt und die Bil­dung zu erleich­tern. Ob er zudem bereits sei, die Kan­to­ne und OdA zu ermu­ti­gen, sys­te­ma­ti­scher auf dieses Instru­ment zurückzugreifen.

Update 4. Mai 2016: Stel­lung­nah­me des BR
Ziel des Vali­die­rungs­ver­fah­rens ist nicht eine all­ge­mei­ne Kom­pe­tenz­bi­lan­zie­rung, son­dern die Zer­ti­fi­zie­rung eines eid­ge­nös­sisch aner­kann­ten Abschlus­ses. Es eignet sich nur, wenn inter­es­sier­te Per­so­nen die erfor­der­li­chen Pra­xis­jah­re vor­wei­sen und ver­gleich­ba­re Kennt­nis­se haben. Zur­zeit werden Grund­la­gen für die Anrech­nung von Bil­dungs­leis­tun­gen und erwach­se­nen­ge­rech­te Ange­bo­te ent­wi­ckelt. Die Ver­bes­se­rung der beruf­li­chen Inte­gra­ti­on von vor­läu­fig Auf­ge­nom­me­nen und Flücht­lin­gen ist ein wich­ti­ges Anlie­gen des Bun­des­rats. Wei­te­re Mass­nah­men werden gemein­sam von SBFI und SEM geprüft.

Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne: Öster­reich zielt mit der Vali­die­rung auf Gleich­wer­tig­keit, nicht auf Gleich­ar­tig­keit der Abschlüsse.

Leben­lan­ges Lernen, ori­en­tiert an EU-Leit­li­ni­en zur Validierung

In Öster­reich wird im Rahmen eines Pro­gramm für das Lebens­lan­ge Lernen (LLL:2020) seit län­ge­rer Zeit inten­siv an Ver­fah­ren zur «Aner­ken­nung und Zer­ti­fi­zie­rung von Kom­pe­ten­zen» gear­bei­tet, wor­un­ter die Umset­zung der 2009 ver­öf­fent­lich­ten «Euro­päi­schen Leit­li­ni­en für die Vali­die­rung nicht for­ma­len und infor­mel­len Ler­nens», bzw. der 2015 über­ar­bei­te­ten Ver­si­on der Leit­li­ni­en ver­stan­den wird. Gemäss den 2012 ver­ab­schie­de­ten Emp­feh­lung zur Vali­die­rung nicht­for­ma­len und infor­mel­len Ler­nens“ der EU sind ja die Mit­glied­staa­ten gehal­ten, bis 2018 natio­na­le Vali­die­rungs­stra­te­gi­en zu entwickeln.

Im Juni 2015 wurde vom zustän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­um Öster­reichs ein Kon­sul­ta­ti­ons­do­ku­ment zur «Vali­die­rung nicht-for­ma­len und infor­mel­len Ler­nens» publi­ziert. Es gibt einen guten Über­blick über die Ent­wick­lun­gen der EU-Beschlüs­se und Hin­wei­se auf die lau­fen­den Pro­gram­me in Öster­reich (insb. S. 12), wie wir sie im Buch «Maurer, Wett­stein, Neu­haus: Berufs­ab­schluss für Erwach­se­ne in der Schweiz» Kapi­tel 8.2, dar­ge­stellt haben.

Ver­ständ­nis des Validierungsverfahrens

Das Ver­fah­ren wird in die auch andern­orts gebräuch­li­chen vier Phasen Iden­ti­fi­ka­ti­on /​Doku­men­ta­ti­on /​Assessment/​Über­prü­fung /​Zer­ti­fi­zie­rung ein­ge­teilt. Neu wird zwi­schen «Metho­den und Instru­men­ten zur Mes­sung, Fest­stel­lung und Über­prü­fung von Kom­pe­ten­zen und sol­chen zur Iden­ti­fi­zie­rung und Doku­men­ta­ti­on unter­schie­den. Zu den Ers­te­ren gehö­ren Tests, Prü­fun­gen, Selbst­be­schrei­bun­gen, Beob­ach­tung, Assess­ments und Inter­views. Zwei­te­re bestehen z.B. in Port­fo­li­os, Lebens­lauf und Fremdeinschätzung.»

Prü­fun­gen und Test sind also nicht eine Alter­na­ti­ve zur Vali­die­rung, son­dern Mittel im Rahmen eines Validierungsverfahrens.

Inter­es­sant und für mich neu ist die Unter­schei­dung zwi­schen nor­ma­ti­ver und sum­ma­ti­ver Validierung:

«Ansät­ze der «for­ma­ti­ven Vali­die­rung» … sind per­so­nen­be­zo­gen oder indi­vi­du­ums-ori­en­tiert. Ergeb­nis ist der Nach­weis von Kom­pe­ten­zen unab­hän­gig von defi­nier­ten Stan­dards des Qua­li­fi­ka­ti­ons­sys­tems. Der Fokus liegt häufig auf der Iden­ti­fi­ka­ti­on und Doku­men­ta­ti­on von Lernergebnissen.

Ansät­ze der «sum­ma­ti­ven Vali­die­rung» … sind anfor­de­rungs- oder stan­dard­be­zo­gen. Ergeb­nis ist der Erwerb einer Qua­li­fi­ka­ti­on (oder eines Qua­li­fi­ka­ti­ons­teils) aus dem for­ma­len oder nicht-for­ma­len Bereich, d.h., die Lern­er­geb­nis­se der/​des Ein­zel­nen werden anhand der ent­spre­chen­den Stan­dards einer for­ma­len bzw. nicht-for­ma­len Qua­li­fi­ka­ti­on über­prüft und bestä­tigt. Der Fokus liegt dabei auf der Bewer­tung und Zer­ti­fi­zie­rung von Lern­er­geb­nis­sen.» (Kon­sul­ta­ti­ons­do­ku­ment, S. 7f)

Aus­rich­tung an den NQR, nicht an Lehrberufen

Am inter­es­san­tes­ten finde ich jedoch die bereits im oben genann­ten Buch erwähn­te Aus­rich­tung auf den Natio­na­len Qua­li­fi­ka­ti­ons­rah­men (NQR).

Es geht um die Frage, an wel­chen «Stan­dards» sich die «sum­ma­ti­ve Vali­die­rung» ori­en­tie­ren soll. In der Schweiz sind dies im Rahmen der Grund­bil­dung durch­wegs und aus­schliess­lich die übli­cher­wei­se formal erwor­be­nen Eidg. Fähig­keits­zeug­nis­se und Berufs­at­tes­te (EFZ, EBA). Die ana­lo­gen Abschlüs­se Öster­reichs werden im «Kon­sul­ta­ti­ons­do­ku­ment» mit keinem Wort erwähnt. Öster­reich leitet die Stan­dards aus dem NQR ab, bzw. erwar­tet, dass im NQR neben den formal erwor­be­nen Berufs­ab­schlüs­sen auch infor­mell und non-for­ma­le Abschlüs­se mit ande­ren Inhal­ten auf­ge­nom­men werden: «Der öster­rei­chi­sche NQR ist als umfas­sen­der Rahmen kon­zi­piert. In seiner Umset­zung sollen sowohl Qua­li­fi­ka­tio­nen des for­ma­len Bil­dungs­sys­tems, als auch nicht-for­ma­le Qua­li­fi­ka­tio­nen (z.B. aus der beruf­li­chen Wei­ter­bil­dung, Erwach­se­nen­bil­dung) einem der acht Niveaus zuge­ord­net werden können.» (S. 8) Bereits heute exis­tie­ren eine Reihe von Mass­nah­men zum «Erwerb von Qua­li­fi­ka­tio­nen ohne Ent­spre­chung im for­ma­len System (z.B. Wei­ter­bil­dungs­aka­de­mie)» (S. 12). Es wird also neben den formal erwor­be­nen Grund­bil­dun­gen für Jugend­li­che zusätz­lich Abschlüs­se geben, die in der Wei­ter­bil­dung erwor­ben werden, viel­leicht ähn­lich den «Umschu­lungs­be­ru­fen» des deut­schen Bildungswesens.

Gleich­wer­tig­keit statt Gleichartigkeit

Öster­reich strebt also mit der Vali­die­rung nicht oder nicht immer eine Gleich­ar­tig­keit von formal und nicht-formal erwor­be­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen an, son­dern eine Gleich­wer­tig­keit. Auf­ga­be des NQR ist u.a. «die För­de­rung der Durch­läs­sig­keit inner­halb und zwi­schen den for­ma­len und nicht- for­ma­len Berei­chen des Qua­li­fi­ka­ti­ons­sys­tems im Sinne des lebens­be­glei­ten­den Ler­nens, und damit die Stär­kung von Prin­zi­pi­en und Metho­den der gegen­sei­ti­gen Aner­ken­nung und Anrech­nung von Qua­li­fi­ka­tio­nen.» (S. 14f)

Erwäh­nens­wert ist in diesem Zusam­men­hang, dass bei den ersten, vom Bund Schwei­zer Frau­en­ver­ei­ne ange­stos­se­nen Bemü­hun­gen zur Schaf­fung eines schwei­ze­ri­schen Vali­die­rungs­ver­fah­rens (Buch S. 31) auch eine Gleich­wer­tig­keit von infor­mell erwor­be­nem Können ange­strebt wurde.

Quelle: erwach​se​nen​bil​dung​.at

Vali­die­rungs­ver­fah­ren: Fort­schrit­te im Kanton Zürich

Erst­mals soll es mit dem Vali­die­rungs­ver­fah­ren auch mög­lich sein, ein Berufs­at­test zu erwer­ben, den Abschluss «Assistent/​in Gesund­heit und Sozia­les». Anbie­ter ist der Kanton Zürich, der zudem seine Vali­die­rungs­ver­fah­ren pra­xis­be­zo­ge­ner aus­rich­ten wird. (Medi­en­mit­tei­lung)

Frank­reich: Das Ver­fah­ren zur Aner­ken­nung infor­mell erwor­be­ner Qua­li­fi­ka­tio­nen wird überprüft.

Vor 14 Jahren wurde in Frank­reich die «vali­da­ti­on des acquis de l’expérience» (VAE) als Instru­ment lan­ciert, die im Laufe des Arbeits­le­bens erwor­be­nen Erfah­run­gen durch Aus­stel­lung von aner­kann­ten Aus­wei­sen einen Wert zu geben. (Loi de moder­ni­sa­ti­on socia­le du 17 jan­vier 2002) Die Vor­stel­lung war, das jähr­lich 60’000 Per­so­nen das Ver­fah­ren durch­lau­fen und auf diese Weise aner­kann­te Abschlüs­se erwer­ben soll­ten. Es waren aber ledig­lich 16’000 pro Jahr. Die VAE sei zwar aner­kannt aber zu kom­pli­ziert in der Durchführung.
Am 16. Dezem­ber 2015 hat Pre­mier­mi­nis­ter Manuel Valls eine Eva­lua­ti­on des Ver­fah­rens ange­ord­net: L’objectif de ces éva­lua­ti­ons est de réin­ter­ro­ger les poli­ti­ques publi­ques, leurs résul­tats, leur uti­lité et leur adéqua­ti­on avec les atten­tes des béné­fi­ci­ai­res. Sie steht unter der dop­pel­ten Lei­tung der Minis­te­ri­en für Bil­dung und Arbeit und soll innert fünf Mona­ten zu kon­kre­ten Mass­nah­men führen. Eine Auf­zäh­lung der Insti­tu­tio­nen, die ein­be­zo­gen werden, macht deut­lich, wie breit und kom­plex die insti­tu­tio­nel­le Ver­an­ke­rung des Ver­fah­rens ist.

D: Vali­Kom - eine von Arbeit­ge­ber­sei­te breit abge­stütz­te Initia­ti­ve zur Aner­ken­nung infor­mell erwor­be­ner Kompetenzen

Die deut­sche Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Johan­na Wanka hat eine Aktion vor­ge­stellt, mit der die non-formal oder infor­mell erwor­be­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen von jün­ge­ren Erwach­se­nen aner­kannt werden sollen, ohne «Aufbau eines par­al­le­len Regel­werks zum for­ma­len Prü­fungs­we­sen». Im Rahmen der Initia­ti­ve Vali­Kom soll dazu ein Hand­lungs­leit­fa­den ent­wi­ckelt werden, basie­rend auf einem Abkom­men des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung mit dem Deut­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) und dem Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks (ZDH). Pro­jekt­ko­or­di­na­tor ist der West­deut­sche Hand­werks­kam­mer­tag (WHKT), mit dabei ist das For­schungs­in­sti­tut für Berufs­bil­dung im Hand­werk an der Uni­ver­si­tät zu Köln.

Neue Publi­ka­ti­on zur beruf­li­chen Grund­bil­dung für Erwachsene

Aus­ga­be 2015-3 der Schwei­ze­ri­schen Zeit­schrift für Wei­ter­bil­dung «EP» ent­hält ein 30-sei­ti­ges Dos­sier zum Thema «Abschlüs­se ermög­li­chen». Unter ande­rem wird vom Aner­ken­nungs­ver­fah­ren des SRK berich­tet, in dessen Rahmen jähr­lich 3000 Aner­ken­nun­gen aus­ge­spro­chen werden. Didier Juil­lerat betont die Not­wen­dig­keit, neben der Aner­ken­nung bereits erwor­be­ner Komp­ten­zen auch «créer de nou­vel­le main d’oeuvre qua­li­fiée» und stellt als Bei­spiel die Aus­bil­dung zu Uhrenmacher/​innen dar, die seit 20 Jahren modu­lar erfolgt. Erst im Anlau­fen ist eine Tes­si­ner Initia­ti­ve zur Aus­bil­dung von Ver­kaufs­per­so­nal und René Schnee­be­li fragt, was zu tun ist, damit beruf­li­che Grund­bil­dung für Erwach­se­ne den Kri­te­ri­en des Bil­dungs­raums Schweiz genügt.

Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne im Detaihandel

Der Detail­han­del gehört zu den Bran­chen mit der höchs­ten Zahl an Berufs­ler­nen­den. Auch in der Berufs­bil­dung für Erwach­se­ne ist er von beson­de­rer Bedeu­tung, unter ande­rem weil alle Wege ange­bo­ten werden, die regu­lä­re und die ver­kürz­te Grund­bil­dung, der direk­te Zugang zur Abschluss­prü­fung und das Vali­die­rungs­ver­fah­ren. Auch die Nach­fra­ge war in den ver­gan­ge­nen Jahren rela­tiv gross, einer­seits infol­ge der Ablö­sung eines Mono­pol­be­ru­fes der Post, ander­seits im Zusam­men­hang mit dem Über­gang von der zwei­jäh­ri­gen Ver­kaufs­leh­re zur drei­jäh­ri­gen Aus­bil­dung «Detail­han­dels­fach­man­n/-frau EFZ». Hier ist ein Bericht dar­über abge­legt und hier eine Mel­dung über ein Pilot­pro­jekt in Bern.

Öster­reich: «Du kannst was!»

In Ober­ös­ter­reich wurde unter diesem Titel von den Sozi­al­part­nern in Zusam­men­ar­beit mit dem Land ein Modell zum Vali­die­ren von beruf­li­chen Kom­pe­ten­zen ent­wi­ckelt, «Du kannst was!» Ent­spre­chen­de Ange­bo­te gibt es heute für zwölf Berufe, zwei wei­te­re Bun­des­län­der haben das Modell über­nom­men, die Akzep­tanz in der Wirt­schaft ist gross, das Inter­es­se am Modell beein­dru­ckend, vgl. unsere Dar­stel­lung.

Eva­lua­ti­on Vali­die­rungs­ver­fah­ren Kanton Zürich

Das Mit­tel­schul- und Berufs­bil­dungs­amt und das Amt für Jugend und Berufs­be­ra­tung liess eine Eva­lua­ti­on des Vali­die­rungs­ver­fah­rens der beiden Berufe Fach­frau/-mann Gesund­heit EFZ und Fach­frau/-mann Betreu­ung EFZ durchführen.

Ver­fah­ren zur Vali­die­rung von Bildungsleistungen

Forscher/​innen des EHB inven­ta­ri­sier­ten die 2011/​12 in der Schweiz ver­wen­de­ten Ver­fah­ren zur Vali­die­rung von Bildungsleistungen.